Im Rahmen des Projekts Metaverse Academy hat das FIAP eine umfassende Bedarfsanalyse zum Einsatz immersiver Technologien (AR/VR/XR) in verschiedenen Branchen und Sektoren durchgeführt. Ziel der Analyse war es, die Bedürfnisse, Potenziale und Herausforderungen dieser Technologien zu identifizieren und daraus Ansätze für Bildungsangebote zu entwickeln. Dazu wurden 15 Interviews mit 20 Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Branchen geführt, darunter Versicherungen, Beratungsunternehmen, Verlage, Digitalagenturen, VR-Dienstleister, Bildungseinrichtungen und öffentliche Institutionen.
Potenziale immersiver Technologien
Innovative Anwendungen in Unternehmen und Chancen im Bildungsbereich
Viele Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, sehen in immersiven Technologien eine Chance, ihre Kundenansprache zu verbessern und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Im Verlagswesen könnten diese Technologien das Leseerlebnis revolutionieren. LeserInnen könnten zukünftig durch virtuelle Umgebungen oder 3D-Darstellungen Informationen auf eine völlig neue Art und Weise erleben.
Auch Digitalagenturen und VR-Dienstleister sehen weitreichende Einsatzmöglichkeiten, z.B. in Form von virtuellen Showrooms, in denen Produkte realitätsnah präsentiert werden, oder interaktiven Trainingsplattformen, die Mitarbeitenden praxisnah Wissen vermitteln. Der Einsatz immersiver Technologien könnte so zu einer verbesserten Kundenbindung und einem effizienteren Wissensaustausch führen.
Auch im Bereich der Aus- und Weiterbildung wird immersiven Technologien ein großes Potenzial zugeschrieben. Aus Sicht der Befragten könnten diese Technologien den Unterricht interaktiver gestalten und Lerninhalte greifbarer machen. Durch virtuelle Simulationen könnten abstrakte Konzepte wie naturwissenschaftliche Experimente oder historische Ereignisse realitätsnah visualisiert werden, was das Lernen effektiver und attraktiver machen könnte.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Trotz des großen Potenzials stehen viele Unternehmen vor großen Herausforderungen. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen berichten von Schwierigkeiten, immersive Technologien in ihren Arbeitsalltag zu integrieren.
Mangel an Fachwissen und Ressourcen
Ein zentrales Problem ist der Mangel an personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Viele kleinere Unternehmen und öffentliche Organisationen verfügen nicht über das nötige Budget oder die technischen Kapazitäten, um in die Einführung immersiver Technologien zu investieren. Häufig fehlt es sowohl an Expertise im eigenen Team als auch an Zeit, sich intensiv mit der Umsetzung zu beschäftigen.
Viele Organisationen sind unsicher, wie sie AR/VR und XR am effektivsten einsetzen können, es gibt auch Akzeptanzprobleme bei den Mitarbeitenden aufgrund mangelnder Vorstellungskraft über Machbarkeit und Anwendungsfelder, die verhindern, dass die Technologien ihr volles Potenzial entfalten.
Perspektiven und Fazit
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist es aus Sicht der Befragten unerlässlich, gezielte Schulungsprogramme zu entwickeln. Viele Interviewpartner betonten den Bedarf an praxisnahen Schulungen, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Ressourcen ihrer Unternehmen zugeschnitten sind. Insbesondere im Bildungsbereich ist es wichtig, Lehrer zu schulen, damit sie die Potenziale dieser Technologien voll ausschöpfen können.
Ein weiterer Ansatz könnte darin bestehen, durch praxisnahe Anwendungsbeispiele aufzuzeigen, wie immersive Technologien auch mit begrenzten Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden können. Darüber hinaus könnten Kooperationen zwischen Industrie und Bildungseinrichtungen eine effektivere Ausbildung von Fachkräften fördern und den Wissenstransfer verbessern.
Die ersten Ergebnisse der Bedarfsanalyse zeigen, dass immersive Technologien in vielen Bereichen – von Unternehmen bis hin zu Bildungseinrichtungen – ein großes Potenzial haben können. Die Herausforderungen, insbesondere der Mangel an Ressourcen und technischer Expertise, sind jedoch nicht zu unterschätzen. Mit maßgeschneiderten Bildungsangeboten und einer stärkeren Praxisorientierung könnten viele dieser Hürden überwunden werden.
Die internationalen Ergebnisse der Analyse werden in Kürze auf der Webseite der Metaverse Academy veröffentlicht.