Seit mehreren Jahren unterstützt das FIAP die Reform der beruflichen Bildung in Griechenland im Rahmen verschiedener BMBF-geförderter Projekte. Derzeit arbeiten wir mit unseren Partnern DGIHK und Arbeit und Leben an der stärkeren Einbindung der Sozialpartner in Planung und Organisation der beruflichen Bildung. Dazu führen wir derzeit im Projekt Future4VET eine vierteilige Workshop-Reihe durch, die sowohl bei den deutschen, als auch bei den griechischen Sozialpartnern auf immer mehr Interesse stößt. Die Workshops sind so aufgebaut, dass zu bestimmten Schlüsselthemen in der beruflichen Bildung deutsche und griechische Ansätze und Instrumente vorgestellt, verglichen und diskutiert werden, um dann gemeinsam zu neuen Lösungen zu kommen. Die digitalen Workshops haben bis zu 100 Teilnehmer. Im Juni werden die Ergebnisse in einer Präsenzveranstaltung zusammengefasst und gemeinsam reflektiert.

Im dritten Workshop, der am 23. Mai statt fand, ging es um das Thema Qualitätssicherung in Aus- und Weiterbildung. Es wurde deutlich, dass in beiden Ländern Sozialpartner bereits bestimmte Aufgaben übernehmen. Vor allem für die betriebliche Ausbildung gibt es in Deutschland auf Grund der langen Tradition der dualen Ausbildung ein komplexes und fest strukturiertes Qualitätssicherungssystem, das von Isabelle Le Mouillour vom Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB) vorgestellt wurde. Sophia Grunert vom Zentralverband des Deutschen Handwerks ging auf die Funktion der Kammern und ihrer überbetrieblichen Ausbildungsstätten insbesondere im Handwerk und für kleine und mittlere Unternehmen ein. Joachim Weffers stellte die Perspektive der Gewerkschaften in Hinblick auf Weiterbildungen vor. Auf griechischer Seite wurde durch den Beitrag von Konstantinos Papaefstathiou die Bedeutung des EOPPEP und die starke Anbindung des griechischen Ansatzes an den Europäischen Rahmen deutlich. Eleni Theodori von INE GSEE unterstrich die Qualitätssicherungsaktivitäten der Arbeitnehmervertreter in der Erstausbildung, während Alexis Kokkos, als Präsident der Wissenschaftlichen Vereinigung für Erwachsenenbildung vor allem auf Bedarfe der Qualitätssicherung in der Weiterbildung einging. In Griechenland werden neue Lösungen vor allem für Bildungsmaßnahmen in Unternehmen gesucht. Hierzu muss allerdings in den Unternehmen und ihren Eco-Systems eine neue Berufsbildungskultur entstehen, da in der Vergangenheit die Unternehmen nicht strukturiert in die Berufsbildung involviert waren. Lösungen aus Deutschland können nur bedingt als Best Practices dienen, da sich das griechische Berufsbildungssystem bisher auf einem anderem Hintergrund entwickelt hat.

Trotzdem eint beide Systeme gemeinsame Ziele und gemeinsame Herausforderungen und der Austausch über Lösungsansätze ist für beide Seiten ein fruchtbarer Diskurs über eine zukunftsorientierte, attraktive Berufsbildungskultur, die jungen Menschen neue Perspektiven eröffnet, das zeigen die Diskussionen.